Filmbeschreibung:
6. Juni 1944. Die Invasion der Alliierten in der Normandie ist in vollem Gange. Mit einer gekoppelten Boden-Luft-Operation soll der so genannte D-Day, die Befreiung des von den Nazis besetzten Frankreichs einleiten. Etwa 1,5 Millionen amerikanischer und britischer Soldaten sollten an den folgenden Junitagen an Frankreichs Küste landen. Der Soldat James Ryan erzählt die halb-fiktionale Geschichte einiger von ihnen. Captain John Miller, der sich gerade noch in einem Landungsbootes befand und die Erstürmung eines Strandabschnittes nur knapp überlebte, soll mit einer handvoll seiner Männer, den Fallschirmjäger James Ryan mitten im Schlachtengetümmel Frankreichs aufspüren. Hintergrund: Alle drei von Ryans Brüdern sind im Krieg gefallen. Laut amerikanischem Gesetz ist somit für ihn der Krieg zu Ende. Miller begibt sich mit seinem Trupp auf eine regelrechte Odyssee durch ein fremdes Land, welches noch fest in Feindeshand ist. Neben den alltäglichen Kriegsgefahren, müssen die Soldaten auch die Zweifel am Sinn ihrer Mission besiegen. Zum Trailer
Filmkritik:
Was für ein Wahnsinn! Die ersten zwanzig Minuten von Steven Spielbergs Kriegsfilmklassiker Der Soldat James Ryan gehören wohl mit zum intensivsten, was das moderne Kino der 90er hervorgebracht hat. Spielbergs Interpretation des D-Day, genauer, der alliierten Landung am Omaha Beach, ist eine filmische Glanzleistung und rechtfertigt alleine schon die Wertung unter dieser Kritik. Während der kompletten Sequenz ist die Kamera ganz dicht bei den Soldaten. Der Zuschauer durchlebt mit ihnen einige der schrecklichsten und brutalsten Momente ihres Lebens, er leidet mit ihnen, teilweise stirbt er mit ihnen. In diesen atemberaubenden Minuten führt Regisseur Spielberg bereits die Protagonisten des Films ein. Unauffällig werden sie durch kurze Zwischenschnitte charakterisiert und erhalten Profil. Doch durch die Nähe der Kamera zu den (amerikanischen) Soldaten, verliert der Zuschauer nie die Übersicht über das große Ganze. Andreas Kilb von der Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb zu der furiosen Eröffnungssequenz von Der Soldat James Ryan: „War es so, das Sterben am Omaha Beach? So war es nicht! […] Aber viel näher als Spielberg wird man dem Geschehen am D-Day wohl nicht mehr kommen.“ Damit macht Kilb auf eine der größten Kontroversen um den Kriegsfilm Aufmerksam. Die Strandszene erscheint mit ihrem grobkörnigen Bild, der farbarmen Optik, der Detailgenauigkeit der Uniformen, Waffen, Ausrüstung usw., der Topographie, dem Leben und Sterben der Soldaten, der Mimik…einfach in allem so unglaublich realistisch, dass man das salzige blutig-rote Meerwasser nahezu auf den Lippen schmecken kann. Mit der Dokumentarfilmoptik schafft es Spielberg die perfekte Illusion zu erschaffen. Der Zuschauer denkt nach dem „Überleben“ der zwanzig Minuten zwangsläufig, er wüsste, was Krieg ist. Doch kann ein Film – und sei er auch noch so gut – das schaffen? Muss er nicht zwangsläufig an seiner Künstlichkeit und Kunsthaftigkeit scheitern? Was man dem Soldat James Ryan jedoch nicht absprechen kann, ist es, ein Gefühl für Krieg zu vermitteln. Doch sollte man bei aller Betroffenheit nicht Vergessen, dass man es hier mit Hollywood-esken Geschichts- und Historienbild zu tun hat. Doch genug zum größten Highlight des Films, denn auch die restlichen zwei Stunden fesseln den Zuschauer. Die Reise durch das vom Krieg zerrüttete Frankreich wird für Miller und seinen kleinen Trupp zu einer Odyssee, wahrlich tragischer Ausmaße. Freunde werden sterben, Bündnisse geschmiedet und die Realität wird durch die Schrecken des Krieges eins ums andere Mal verzerrt. Ruhige, idyllische Passagen wechseln sich ab mit der Hölle des Kampfes. In einem zerbombten französischem Städtchen lauschen die Kameraden gegen Ende des Films einer Chanson-Sängerin. Erinnerungen an zu Hause, an Freundinnen und Liebe, keimen auf. Doch es ist ein zu Hause, welches weit entfernt ist. Der Plattenspieler eiert, das Lied geht über in ein Pfeifen und Wummern – das Wummern eines deutschen Tiger-Panzers. Der Krieg ist wieder da; hat die Truppe wieder eingeholt, war nie wirklich weg.
Filme-Blog Wertung: 9/10
Sind neun Punkte für Spielbergs Der Soldat James Ryan gerechtfertigt? Ist es vielleicht ein Pünktchen zu viel? Manch einer mag sich vielleicht beschweren, dass der unverhohlene Hurra-Patriotismus des Films eine gründliche Abwertung verdient, doch damit würde man dem Film meiner Meinung nach Unrecht tun. Es gibt keinen, wirklich keinen Kriegsfilm, der ähnliches schafft, wie Der Soldat James Ryan. Das vermittelte Gefühl ist einmalig. Spielberg und Hanks haben versucht dieses Gefühl mit den Serien Band of Brothers und The Pacific zu kopieren. Geklappt hat es nicht. Clint Eastwood hat mit seinem Doppel-Feature Flag of our Fathers und Letters from Iwo Jima ähnliches versucht, und ist zwar nicht gescheitert, aber auf halber Strecke liegen geblieben. Die Vietnamkriegsfilmklassiker (Apocalypse Now, Platoon, Full Metal Jacket…) kann man ebenfalls nicht mit Spielbergs Reise in die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs vergleichen, verfolgen sie doch einen anderen Ansatz. Somit ist Der Soldat James Ryan einzigartig, in seiner Ästhetik, seiner Brillanz aber auch in seiner Brisanz und Problematik.
Filmfazit:
Ein filmisches Meisterwerk, welches man zugleich kontrovers und kritisch betrachten muss. Nichts desto trotz: Die ersten zwanzig Minuten gehören zum Pflichtprogramm für Filmfans und generelle alle.
Filmtrailer:
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