Filmkritik: Rango (2011)

rango

Filmbeschreibung:

Rango ist ein ganz normales Chamäleon. Naja fast zumindest. Das in einem Terrarium lebende Reptil, ist auf der Suche nach sich selbst. Als er bei einem Ausflug in der Wüste von Nevada strandet, trifft er in dem Westerndörfchen “Dreck” auf einige skurrile Charaktere, die ihn für den Erlöser der verdurstenden Bevölkerung halten. Wird es das selbstlose Chamäleon schaffen “Dreck” und vor allem sich selbst zu retten? Zum Trailer

Filmkritik:

Erinnert ihr euch an Für eine Handvoll Dollar? Clint Eastwood kommt als nobody in eine Stadt, spielt die dort konkurrierenden Banden gegeneinander aus und bekommt am Ende das Geld, die Frau und die Loyalität der Bevölkerung. Oder wisst ihr noch, in den Django-Filmen? Fast genau die gleiche Story – bis auf den netten Nebeneffekt, das wir es bei Django mit einem finsteren Rächer zu tun haben. Und dann wäre da doch noch der Western Abgesang Unforgiven – Erbarmungslos – von und mit Clint Eastwood. Der alternde Cowboy kehrt in diesem Neo-Western zurück in das gesetzlose Refugium aus Banden, Banditen und Verbrechern und erkennt dort den Platz, wo er hingehört. Nicht das traute Heim mit Frau und Kind ist seine Bestimmung, sondern das dreckige, matschige Kaff mitten in der Einöde, wo ihn neben billigem Alkohol und noch billigeren Nutten nur der Tot erwartet. Was das alles mit dem Animationsfilm Rango zu tun hat, fragt ihr euch? So viel und doch so wenig… Rango ist ein verkanntes Meisterwerk geworden. Gore Verbinskis “Animationswestern” bietet all das, was die Klassiker des Western-Genres schon mal erzählt haben, schafft es jedoch mit dem Sprung in das von Kinderfilmen annektierte Animationskino, dem verstaubten Genre tatsächliche neue Impulse zu entlocken. Rango – ein Kinderfilm? Mitnichten! Rango ist grandioses Zitatekino angereichert mit subversiven Elementen aus dem philosophischem Kunstfilm und mit den trashigsten Teilen eines Tarantino. Das Haustier-Chamäleon Rango, das es in das Westernkaff mit dem bezeichnenden Namen “Dreck” verschlägt, ist in dem Film auf Sinnsuche. Auf der Suche nach der Bestimmung seines Lebens, seines Ich und überhaupt dem, “was die Welt im Innersten zusammenhält”. Faust’scher Stoff also in einem Animationswestern – das Paradoxon könnte konfuser kaum sein. Und doch funktioniert hier alles so wunderbar. Für welches Lebewesen könnte die Identitätsfindung schwerer sein, als für ein Chamäleon, also ein Tier welches sich wann immer es möchte seiner Umwelt anpasst. Rango passt sich eben nicht nur äußerlich an, sondern auch geistig und mental. Hinter dieser Anpassung geht der “echte” Rango verloren. “Dreck” und seine kuriosen Bewohner helfen ihm dabei, sich selbst zu finden. Und wie kurios diese Bewohner sind! Die herrlich absurde Wüstenleguanin Bohne etwa, die Rango in die Probleme ihrer Heimat einweiht. Großartig auch, der Klapperschlangen-Desperado Jack, der ein Abbild aller bösen Western-Ikonen überhaupt ist. Doch eine Reise durch den Wilden Westen wäre nicht komplett ohne einen Mann: Clint Eastwood! So ist es nicht verwunderlich, dass er als “Geist des Westens” als einziger, menschlicher Charakter in Rango auftritt – natürlich ironisch gebrochen, oder wer hätte gedacht, dass der Revolvermann im 21. Jahrhundert lieber mit dem Golf-Car durch die Dünen fährt, anstatt Gesetzlose zu liquidieren. Liquidiert wird mit Rango dann auch nur einer: die verweichlichte Dreamworks Kinderkacke.

Filme-Blog Wertung: 8/10

Der ganze Western-/Animationsspaß wäre ohne die überragende Synchronisation nur ein laues Lüftchen, das durch “Dreck” zieht. Mit den charismatischen Stimmen von Timothy Olyphant (als wunderbarer “Roadkill”), Alfred Molina und Ned Beatty erreichen die tierischen Westernhelden eine Tiefe, die man in einem Animationsfilm nicht erwartet hätte. Allen voran ist jedoch Johnny “Rango” Depp zu loben, der das exzentrische Chamäleon beinahe real werden lässt. Beenden wir diese Kritik mit dem Appell, das Depp anstatt weitere seichte Fluch der Karibik-Filmen zu drehen, eher an einer Fortsetzung zu Rango arbeiten sollte!

Filmfazit:

Großartiger Western-Spaß für die ganze Familie. Die Kleinen lachen über die putzigen Tierchen. Die Großen frohlocken aufgrund der Zitateflut.

Filmtrailer:

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