Filmkritik: Mr. Nice (2011)

mr. nice

Filmbeschreibung:

Er kommt aus kleinen Verhältnissen in England und schafft es mit einem Oxford Stipendium doch noch in bestimmte elitäre Kreise. Von der Wissenschaft bis hin zu den Drogen: das ist Mister Nice. Mit bürgerlichem Namen heißt er Howard Marks und wird vom aktiven Kiffer zu einem der berühmt-berüchtigsten Drogendealer der Welt. Er baut ein riesiges Netz für den Marihuana-Transport im Vereinigten Königreich auf, arbeitet mit einem IRA-Aktivisten zusammen, hilft dem MI6 bei ihrer Arbeit und führt dazu parallel ein harmloses Familienleben als liebender Vater. Erst in den USA beginnt langsam, seine Karriere als Dealer aufzufliegen. Bis dorthin hat er sich aber schon in so viele Geheimdienste verwickelt, dass er sich vielleicht doch noch herausreden kann. Zum Trailer

Filmkritik:

Diese Zusammenfassung des Filmes wird Mr. Nice nicht gerecht. Basierend auf der Autobiografie des tatsächlichen Howard Marks, drehte der Regisseur und Drehbuchautor Bernard Rose (Sovia: Death Hospital) im Jahre 2010 endlich eine Verfilmung seines aufregenden Lebens. Als Howard Marks, der im Film von großartigen Rhys Ifans gespielt wird, mit seinem Philosophie und Physik am Balliol College abschließt, entscheidet er sich für eine Karriere als Drogendealer. Nicht aus Boshaftigkeit – sondern weil er es kann. Doch das Medium Film kommt der durchaus umfangreichen Geschichte um das Leben voller Pseudonyme nicht nahe. Das Konzept des erfolgreichen Dealers wurde etwa in Blow mit Johnny Depp (Dark Shadows, Alice im Wunderland) im Jahre 2001 von Ted Demme viel strukturierter umgesetzt und erzählte eine tiefgehende Geschichte. In Mr. Nice geht es natürlich nicht ausschließlich um das Züchten von Hanfsamen – dennoch hat man hier und da das Gefühl, das Rose nicht genau wusste, wo er den Zuschauer mit seiner visuellen Umsetzung hinführen wollte. Denn der Film – als auch das Buch – ernährt sich hauptsächlich von Leichtigkeit. Gegen Ende der Erzählung jedoch wird die von Rose aufgezwängte Ernsthaftigkeit zu kitschig, zudem wird der Umgang mit dem Protagonisten und seinen Straftaten sehr einseitig und unreflektiert dargestellt. Die vielen Figuren, die auftauchen, verschwinden teilweise ohne Erklärungen. Andere wiederum bekommen keine Tiefe. Das kann man sicherlich dem enormen Umfang und den verwirrenden Strängen der Geschichte anlasten, dennoch hinterlässt es einen konfusen Zuschauer, der vielleicht mit dem Buch – zur Verfügung in den meisten Headshops der Welt – besser beraten wäre. Mister Nice ist schon eine Kultperson, der vor allem für die philosophische Seite der beliebtesten Pflanze der Welt steht. Denn im Vordergrund der Mentalität des Howard Marks steht ein gewisser Grundsatz, der ihn ständig an seiner Tätigkeit zweifeln lässt, und dennoch oft die politische und moralische Seite der Gesetze und Gewalten in Frage stellt. Man merkt, dass Rose Probleme hat, einen ambivalenten, vielschichtigen Charakter zu zeichnen. Das sollte keinen Zuschauer davon abhalten, Mr. Nice eine Chance zu geben. Man sollte sich nur der Tatsache bewusst sein, dass viele Fragen offen bleiben und man durchaus auch unzufrieden aus dem DVD-Abend herausgehen kann – denn am Ende bleibt, wie immer, alles offen.

Filmfazit:

Mr. Nice ist Kult und definitiv einen Blick wert. Die Biographie lässt kaum noch etwas zu wünschen übrig,

Filmtrailer:

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